DiHydroTestosteron und zellbiologische Abläufe im Haarfollikel

Als Folge von Stress, Anspannung und Konzentration kann bei vielen Haarausfallpatienten eine deutliche Verspannung der Kopfhaut registriert werden. Männer reagieren dabei etwas stärker mit muskulärer Spannung auf exogene Reize, Frauen verfügen über ein anderes Stress-Management.

 

Wesentlich für die bei Männern so heftig auftretenden Auswirkungen der Tension und der nachfolgenden Minderung von Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Zellen ist jedoch die dramatisch verstärkende Wirkung des ca. 15-fach höheren männlichen Androgenspiegels (Testosteron und sein Derivat DiHydroTestosteron).

Entwicklung des Androgenspiegels und der muskulären Tension beim Mann

Dihydrotestosteron und muskuläre Verspannung

Androgene Hormone werden vor allem in den Leydig-Zwischenzellen des Hodens, kleine Androgenmengen im Ovar und der Nebennierenrinde, synthetisiert. Der Abbau erfolgt vor allem in der Leber, daneben in der Haut und der Prostata. Das wichtigste Androgen und das im Serum am höchsten konzentrierte, ist Testosteron. Dieses Androgen ist für die Entwicklung des männlichen Individuums von ausschlaggebender Bedeutung.Aus Testosteron entsteht durch Reduktion (5α-Reduktase) der aktive Metabolit 5α-Dihydrotestosteron (DHT).

 

Es stellt die biologisch wirksame Form des Testosterons auf zellulärer Ebene dar und wirkt an speziellen Androgenrezeptoren. Eine Studie von Hunt und Pai(1) zeigt auf, daß die Kollagen-Synthese in den Fibroblasten ernsthaft gestört ist, wenn die Sauerstoffsättigung des versorgenden Gewebes unter 40 mmHg fällt. Analog dazu wirkt sich die Sauerstoffunterversorgung in den noch weit zellteilungsaktiveren Haarmatrixzellen auf die Keratin-Produktion aus.

 

Analog dazu wirkt sich die Sauerstoffunterversorgung in den noch weit zellteilungsaktiveren Haarmatrixzellen auf die Keratin-Produktion aus. DHT (DiHydroTestosteron) sammelt sich vermehrt an den Rezeptoren der schlechter durchbluteten Haarwurzeln an („Verhornung“): Erblich bedingter Haarausfall wird ausgelöst oder verstärkt.


Das Enzym Lysyl-Hydroxylase wird von der Blut- und Nährstoffversorgung abgeschnitten. Es ist zuständig für den Aufbau der Bindegewebsfasern in der Kopfhaut. Für seine Funktion benötigt es verschiedene Cofaktoren, unter anderem Sauerstoff. Dieser Cofaktor steht nur noch ungenügend zur Verfügung. Die Ausbildung der Bindegewebsfasern (Haarkörper) wird reduziert.


Die Anagen-Phase des Haares verkürzt sich, die telogene Phase dehnt sich (über mehrere Zyklen hinweg) aus. Die Wurzel schrumpft, der Haarfollikel degeneriert. Der Übergang in die Anagenphase findet nicht mehr statt. Das Haar gilt schließlich als ausgefallen.


Bei Frauen beruht der Effekt vor der Menopause vorwiegend auf der durchblutungsmindernden Wirkung der Spannung, zum geringeren Anteil auch am DHT-(DiHydroTestosteron-)Spiegel. Bei ihnen wird in der Folge am Scheitel und am Vertex lediglich eine leichte Ausdünnung des Haares beobachtet (sh. Ludwig-Schema), kahle Stellen sind seltener anzutreffen.


Zum Teil tritt aber Haarausfall bei Frauen verstärkt nach der Menopause auf. Dann fällt der Östrogenspiegel als Antagonist zum Androgenspiegel (DHT / DiHydroTestosteron) weg, Bindungseiweiße im Blut sind vermindert; der freie Androgenspiegel und die Neigung der Haarwurzeln zur Verhornung mit DHT (DiHydroTestosteron) steigt. Der Haarwuchs am Körper kann sich durch den höheren DHT-Spiegel (DiHydroTestosteron) evtl. verstärken. Auf dem Kopf tritt aber vermehrt Haarausfall auf.