Analog dazu wirkt sich die Sauerstoffunterversorgung in den noch weit zellteilungsaktiveren Haarmatrixzellen auf die Keratin-Produktion aus. DHT (DiHydroTestosteron) sammelt sich vermehrt an den Rezeptoren der schlechter durchbluteten Haarwurzeln an („Verhornung“): Erblich bedingter Haarausfall wird ausgelöst oder verstärkt.
Das Enzym Lysyl-Hydroxylase wird von der Blut- und Nährstoffversorgung abgeschnitten. Es ist zuständig für den Aufbau der Bindegewebsfasern in der Kopfhaut. Für seine Funktion benötigt es verschiedene Cofaktoren, unter anderem Sauerstoff. Dieser Cofaktor steht nur noch ungenügend zur Verfügung. Die Ausbildung der Bindegewebsfasern (Haarkörper) wird reduziert.
Die Anagen-Phase des Haares verkürzt sich, die telogene Phase dehnt sich (über mehrere Zyklen hinweg) aus. Die Wurzel schrumpft, der Haarfollikel degeneriert. Der Übergang in die Anagenphase findet nicht mehr statt. Das Haar gilt schließlich als ausgefallen.
Bei Frauen beruht der Effekt vor der Menopause vorwiegend auf der durchblutungsmindernden Wirkung der Spannung, zum geringeren Anteil auch am DHT-(DiHydroTestosteron-)Spiegel. Bei ihnen wird in der Folge am Scheitel und am Vertex lediglich eine leichte Ausdünnung des Haares beobachtet (sh. Ludwig-Schema), kahle Stellen sind seltener anzutreffen.
Zum Teil tritt aber Haarausfall bei Frauen verstärkt nach der Menopause auf. Dann fällt der Östrogenspiegel als Antagonist zum Androgenspiegel (DHT / DiHydroTestosteron) weg, Bindungseiweiße im Blut sind vermindert; der freie Androgenspiegel und die Neigung der Haarwurzeln zur Verhornung mit DHT (DiHydroTestosteron) steigt. Der Haarwuchs am Körper kann sich durch den höheren DHT-Spiegel (DiHydroTestosteron) evtl. verstärken. Auf dem Kopf tritt aber vermehrt Haarausfall auf.