Stress löst praktisch immer auch Verspannungen der Kopfhautmuskulatur aus. Diese Verspannungen zeigen sich im Gesicht in den sogenannten mimischen Falten: Zum Beispiel quere Stirnfalten, Zornesfalte, Krähenfüße. Die Kopfhaut wird nach unten gespannt, sie strafft sich über das Schädeldach. Die Hauptspannung der Kopfhaut entsteht im Bereich des Scheitels und im Bereich des Hinterkopfes. Sehr häufig äußern sich diese Verspannungen auch in der sogenannten Trichodynie, dem Haarschmerz (sh. Trichodynie >>).
In den betroffenen Bereichen werden die feinen Gefäße, die unter der Kopfhaut verlaufen und das Gewebe mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, zusammengepresst. Der Blutstrom wird bis zu 60 % vermindert. Die Sauerstoffversorgung im Kopfhautgewebe und an den Haarwurzeln wird bis zu 50 % reduziert (sh. Spannungshaarausfall >>). Diese Ursachen sind für Haarausfall bei Frauen und Männern gleichermaßen verantwortlich.
Ohne ausreichend Sauerstoff können die biologischen Prozesse in den Haarwurzeln nicht mehr vollständig ablaufen. In den betroffenen Kopfhautzonen reagieren die Haarwurzeln verstärkt mit der Anlagerung von DHT, einem männlichen Hormon (Androgen), das auch Frauen in geringem Maße aufweisen. Zunächst bleiben immer mehr Haare in der Ruhephase (sh. Haarwachstum). Die Haarwurzeln verhornen und verkümmern. Schließlich fällt das Haar aus. Dieser Haarausfall wird auch bei Frauen meist als androgenetischer Haarausfall bezeichnet.
Während sich bei Männern aufgrund ihres deutlich höheren DHT-Spiegels kahle Stellen und Glatze bilden, entwickeln sich bei Frauen lichte Stellen, an denen die Kopfhaut durchschimmert. Die Auswirkungen auf Aussehen und Selbstbewusstsein sind bei Frauen aber häufig noch vielfach stärker ausgeprägt.
Der Haarausfall bei Frauen konzentriert sich immer zunächst auf die Bereiche, in denen die Spannung der Kopfhaut verstärkt ist. Die Haare fallen also nicht gleichmäßig (diffus) auf dem gesamten Kopf aus, sondern lichten sich teils deutlich sichtbar im Bereich von Scheitel, Hinterkopf (und allgemein auf dem Schädeldach).
In dem Gebiet rings um den Schädel, in dem keine Kopfhautspannung anliegt, wachsen die Haare unbeeinträchtigt weiter.
Diese Art des Haarausfalls wird aufgrund der Verursachung durch Stress und Anspannung auch Spannungshaarausfall (Alopecia Contentionalis) genannt.
Vor den Wechseljahren trifft diese Art von Haarausfall nur wenige Frauen, da die hormonelle Komponente (DHT-Spiegel) nur relativ schwach ausgeprägt ist. In Zeiten von extremer Belastung
und von extremem Stress kann Spannungshaarausfall allerdings alleine schon wegen der zu geringen Versorgung mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen um sich greifen.
In und nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel der Frau deutlich, bestimmte Eiweißstoffe, die das DHT binden, reduzieren sich. Es ist mehr freies DHT verfügbar. Jetzt kann auch bei Frauen mit erhöhter Empfindlichkeit auf DHT der spannungsbedingte Haarausfall in voller Stärke einsetzen. Die lichten Stellen vergrößern sich zusehends.
Schwangerschaft und Haarausfall
Auch während und insbesondere nach einer Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt. Liegt zudem eine erhöhte Belastung vor, kann sich der spannungsbedingte Haarausfall bei Frauen verstärken.
Bislang wurde versucht, den DHT-Spiegel durch spezielle Medikamente zu senken. Allerdings lagert sich das vorhandene Rest-DHT immer noch an den Haarwurzeln an, die zu wenig Sauerstoff erhalten. Eine zuverlässige Wirkung tritt deshalb nur sehr bedingt ein. Zudem klagen viele Frauen über eine schlechte Verträglichkeit solcher Präparate.
Die alleinige Verwendung von Nährstoffpräparaten kann bei dieser Form des Haarausfalls auch nur bedingt helfen, da Blut, Sauerstoff und Nährstoffe die Haarwurzeln nur in stark reduziertem Maße erreichen. Die Sauerstoffnot an der Haarwurzel ist der bestimmende Faktor für den Haarausfall.
Auch durchblutungsfördernde Medikamente, die bei androgenetischem Haarausfall bei Frauen verwendet werden, können aufgrund der oben geschilderten Zusammenhänge nur dort wirken, wo die Durchblutungsstörung nicht durch muskuläre Verspannungen ausgelöst wird. Ein Tonikum, das ausschließlich die Kappillaren der Kopfhaut weiten soll, greift zu spät in der Wirkungskette. Eine durchblutungsfördernde Wirkung bei stark verspannten Muskeln kann nicht einsetzen, da diese nur bei entspanntem Muskel einsetzen kann (Wirkung erfolgt durch Weitung der feinen Blutgefäße – sofern diese Platz haben).
Behandlung an der Ursache: Die AC-Therapie
Diese Art des Haarausfalls bei Frauen sollte grundsätzlich direkt an der Ursache bekämpft werden. An der Verspannung der Kopfhautmuskulatur.
Nur dadurch können Blutfluss und Sauerstoffversorgung der Haarwurzeln wieder vollständig hergestellt werden. Die Haarwurzeln können wieder normal arbeiten. An den Haarwurzeln muß sich kein DHT mehr wegen Verspannung und Sauerstoffunterversorgung anlagern.
Die Behandlung kann zum Beispiel in entspannendem autogenem Training, in Form von Bio-Feedback oder auch in Form der medikamentösen AC-Therapie bestehen.
Der Vorteil bei der medikamentösen AC-Therapie liegt darin, daß sie schon innerhalb von wenigen Tagen zu wirken beginnt und möglichst viele Haarwurzeln, die noch nicht endgültig abgestorben sind, gerettet werden können. (sh. AC-Therapie >>).